Die 1991 geborene niederländische Schriftstellerin Simone Atangana Bekono studierte Kreatives Schreiben und schloss ihr Studium mit einer preisgekrönten Gedichtsammlung ab. Nun wagt sie mit „Salomés Zorn“ den Schritt in die Prosa und debütiert mit ihrem gefeierten Romanerstling, der packend und mit großem Sprachgespür vom Aufwachsen in einem rassistischen Umfeld erzählt. Dabei schafft sie es, elementare Fragen entlang einer Geschichte über das Erwachsenwerden auf eindringliche Weise zu verhandeln: Wie wird Sprache körperlich spürbar? Auf welche Weise wirkt sich Gewalt auf das Selbst aus? In welchem Ausmaß kann das Gefühl des Fremdseins ein ganzes Leben dominieren? Wie finden wir unseren Platz in einer feindseligen Welt – und sollten wir das überhaupt wollen, wenn diese Welt von struktureller Ungerechtigkeit lebt?

Mit „Salomés Zorn“ zündet Simone Atangana ein Romanfeuerwerk, das in unsere Gegenwart knallt – prägnant, tiefschürfend und von großer Dringlichkeit.

1. Was haben Sie im Studium fürs Leben gelernt?
Die meisten Leute bluffen.


2. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich hatte verschiedene Jobs: Ich stand am Fließband in einem Gewächshaus für Pilze und später in einem Auberginengewächshaus, danach habe ich ganz unterschiedliche Dinge gemacht, hauptsächlich als Reinigungskraft gearbeitet. Der Job, den ich am längsten hatte, war Reinigungskraft und Rezeptionistin in einem Hotel.


3. Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?
Ich lese ein bisschen, spüre ein bisschen Sonne auf meiner Haut, trinke etwas mit Freunden, einfache Dinge.


4. Was nehmen Sie sich immer wieder vor?
Was für eine kryptische Frage! Ich schätze mal ... Tee kochen?


5. Was ertragen Sie nur mit Humor?
So ungefähr alles.


6. Ein großes „Beinahe“ in Ihrem Leben?
Der ursprüngliche Plan war, zur Uni zu gehen und unglücklich zu sein.


7. Der beste Ort der Welt, der beste Ort in Amsterdam?
Der beste Ort der Welt ist wahrscheinlich ein queerer Nachtclub, der auch Essen serviert. Der beste Ort in Amsterdam ist mein Bett.


8. Welche Künstler beeindrucken Sie?
In letzter Zeit Stéphane Mallarmé. Das neue Album von Beyoncé ist richtig gut. Die Drehbuchautorin Park Hae-Young ist eine Naturgewalt. Und den Fotografen Sohrab Hura.


9. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?
Ich mag Menschen, die nicht so leicht in Hysterie verfallen wie ich, und zugleich habe ich eine tiefgehende Angst vor ihnen.


10. Ihr liebstes Smalltalk-Thema?
Filme, Essen und das Wetter.


11. Welcher Illusion geben Sie sich gerne hin?
Momentan kaum einer.


12. Welche Zeitungen, Magazine und Blogs lesen Sie?
Ich lese NRC Handelsblad, de Volkskrant, manchmal The New York Times oder The Guardian, Harper's Magazine, The Dutch Review of Books. Ich lese Musikzeitschriften wie Fader (tolle Coverfotos) und Pitchfork (online). Nichts Besonderes.


13. Ihre Lieblingsbuchhandlung?
Als ich noch in Arnheim wohnte, war in der Nähe meiner Studentenwohnung ein Antiquitätenladen, den es heute nicht mehr gibt. Ein mürrischer, alter Mann führte ihn. Er trank oft Kaffee im Hinterzimmer und merkte meistens nicht mal, dass überhaupt jemand im Laden war. Es war ein einziges Durcheinander, aber er hatte eine große Auswahl an Büchern, Drucken und Gemälden und vergaß oft, den Preis für seine Sachen anzugeben. Im Grunde hat er sich selbst bestohlen. Ich habe dort eine Menge Bücher gekauft, vielleicht war das schlecht von mir, aber ich war pleite. Was soll man machen? Jetzt ist es der Athenaeum Boekhandel am Spui in Amsterdam.


14. Ihr Lieblingsmuseum?
Huis Marseille in Amsterdam, das ist ein Fotografiemuseum. Besser als das Foam. Klein, gemütlich, gute Kunst.


15. Welchen Satz haben Sie sich zuletzt aus einem Buch notiert?
Ich habe mich immer sehr für Vorworte interessiert. Entweder von den Autor:innen selbst, ihren Übersetzer:innen oder von anderen Schriftsteller:innen, die sie bewundern. Mit Vorworten ist es so, als würde man in einem Restaurant sitzen und ein Sommelier an den Tisch kommen, der einem erklärt, was die Zunge gleich erleben wird, wenn man den Wein trinkt. Sie sind großartig für ängstliche Menschen wie mich: Auf was zur Hölle lasse ich mich da gleich ein? Ach das. Ich habe viele Sätze aus Vorworten aufgeschrieben, aber sie würden keinen Sinn ergeben, wenn ich sie hier reinschriebe, also lasse ich es.

16. Welches Buch würde niemand in Ihrer Bibliothek erwarten?
Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich schlechte.


17. Ein Buch, das Ihr Leben verändert hat?
Mens Dier Ding von dem fabelhaften zeitgenössischen niederländischen Dichter Alfred Schaffer.